Cloud Services Sonnige oder doch eher
bewölkte Aussichten?

Vertrauen sie der Cloud?


Das Bundesministerim für Wirtschaft und Energie sagt auf seiner Website, Cloud Computing
sei „ derzeit einer der bedeutendsten Trends in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT).“ (1)
Mit seinem Technologieprogramm „Trusted Cloud“ wird das Ziel verfolgt, die Cloud Computing Lösungen innovativer, sicherer und rechtskonformer zu machen. Damit die deutsche Wirtschaft tatsächlich von diesem neuen Trend profitieren kann, ist es wichtig, dass die neuen Möglichkeiten auch vertrauenswürdig sind.
Genau an diesem Vertrauen fehlt es aber oft, aber auch zu Recht?


Datenklau, Ausspionieren von Kundendaten, Panne beim Datenschutz, NSA-Lauschangriff, Hacker-Angriff auf Daten: das sind Stichwörter der Presse aus den vergangenen Wochen – und die machen zumindest nachdenklich.

Es stellt sich also die Frage, wieviel Vertrauen sie in die Cloud haben oder haben sollten?
Spontan fallen mir hierzu zwei Aussagen ein:
Zunächst die Folgende: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Also, wieviel Kontrolle habe ich über die Cloud-Lösungen/-angebote, meine hinterlegten Daten, wieviel gebe ich über mein Nutzungsverhalten preis?
Und als zweites: Die Renten sind sicher. Die Cloud ist es auch – zumindest laut der Versprechen/Aussagen der Anbieter. Wie sehr vertrauen sie auf eine solche Aussage, wenn alle paar Wochen eine weitere Meldung über gehackte Internetkonten und geklaute Kunden- oder Kreditkartendaten veröffentlicht wird. Nicht zuletzt der NSA-Abhör-Skandal hat das Vertrauen in die digitale Wunderwelt nachhaltig erschüttert.

Immer wieder heißt es in der Fachwelt, dass man am Cloud-Computing auf lange Sicht nicht vorbei komme. Neue Möglichkeiten, neue Risiken, hiermit lässt sich das Thema ganz gut beschreiben, wie fällt aber eine solche Kosten-Nutzen-Abwägung aus?

 

Vorteile:

  • - Kosteneinsparung: mit dem Abo-Service zahlen sie nur für das, was sie auch tatsächlich nutzen
  • - Weitere Kosteneinsparung durch unkomplizierte Registrierung und Nutzung
  • - Schnelle Reaktionszeiten: wenn sich in ihrem Unternehmen etwas ändert können neue Anforderungen an die Cloud-Services sehr schnell umgesetzt werden
  • - Unabhängigkeit von festen Arbeitsplätzen: von jedem verbundenen Computer kann der Mitarbeiter auf Anwendungen und Daten aus der Cloud zugreifen
  • - Datensicherheit i.S.v. Datenspeicherung: wenn ein Computer ausfällt gehen Daten nicht verloren, da diese in der Cloud gespeichert werden.
  • - IT-Ressourcen müssen nicht mehr im eigenen Unternehmen vorgehalten werden, sondern werden durch einen Externen auf einer nutzungsbasierten Abrechnung bereitgestellt.

Jeder dieser genannten Vorteile kann aber gleichzeitig auch ein Nachteil sein, dies hängt ganz davon ab, aus welchem Blickwinkel man die Aussagen betrachtet.

 

Nachteile können sein:

  • - Ein Abo-Service berechtigt nur zur Nutzung während der Dauer der Abonnement-Periode. Im Gegensatz zu Lizenzen, die das Unternehmen erwirbt und dann theoretisch zeitlich unbegrenzte Nutzungsrechte hat, endet das Recht zur Nutzung beim Abo mit dessen Zahlungsende. Hier ist es also eine strategische Überlegung des Unternehmens, ob es mit einer Miet- oder einem Kaufentscheidung kostengünstiger agiert.
  • - Die unkomplizierte Anmeldung und Nutzung von Cloud-Services, die von den Anbietern immer als deutlicher Vorteil dargestellt werden, erfordert dennoch eine entsprechende Verwaltung von Unternehmensprozessen, die denen des regulären Software-Lifecycle-Managements ähneln. Denn um weiterhin compliant zu sein, müssen auch Cloud-Services im Rahmen des praktizierten Software Asset Managements  verwaltet werden.
  • - Dass Daten bei einem Systemabsturz nicht verloren gehen, da sie in der Cloud abgelegt wurden birgt auch die Gefahr, dass sie dort wo sie abgelegt sind, nicht unbedingt sicher sein müssen. Hier spielt es eine große Rolle, wo die Infrastruktur der Cloud-Anbieter zu Hause ist, d.h. in welchem Land die Rechenzentren der Cloud Anbieter stehen bzw. unabhängig vom physischen Standort aus welchem Land die Betreiberfirma kommt. Sie unterliegen dann dem jeweiligen Landesrecht, für den Fall, dass sich das Rechenzentrum in den USA befindet (oder ein Rechenzentrum in Deutschland von einer amerikanischen Firma betrieben wird) also dem US-Recht und gleichzeitig auch dem Patriot Act. Nach dem NSA-Überwachungsskandal sind die Entscheider jedoch sicherlich nicht nur bei ausländischen Cloud-Anbietern skeptisch sondern misstrauen auch verstärkt den heimischen Service-Anbietern. Können diese die geforderte Datensicherheit überhaupt gewährleisten? Nicht zuletzt wegen der laxen Handhabung des Datenschutzes war „Die Cloud“ die Gewinnerin des Big Brother Awards 2012 in der Kategorie Kommunikation.
  • - Kostenersparnisse sind immer ein starkes Argument und leider ist es eine Tatsache, dass oft kurzfristige Einsparpotenziale ein stärkeres Gewicht haben als die langfristige Datensicherheit.  

 

Die folgenden Fragen sollte sich der Kunde im Vorfeld einer Entscheidung für oder gegen einen Cloud-Service beantworten lassen und anhand dieser Aussagen entscheiden, ob es die richtige Lösung für ihn ist:

  • - Werden die Daten in Deutschland oder auch im Ausland gespeichert? Wenn eine länderübergreifenden Speicherung der Daten stattfindet, welchen Regelungen unterliegt dann der Datenschutz?
  • - Was genau geschieht, wenn Kundendaten migriert oder archiviert werden, oder der Kunde diese nach Beendigung des Vertragsverhältnisses zurück bzw. gelöscht haben will?
  • - Die meisten Vertragsmodelle sind nicht ganz so flexibel, wie die Anbieter immer behaupten, auch in der Cloud geht es um Kundenbindung, so dass die Verträge entsprechende Laufzeiten und Kündigungsfristen haben.
  • - Je nach Anbieter ist man als Kunde gezwungen, die jeweils aktuellste Version eines Software-Produkts zu nutzen, in vielen Unternehmen werden aber ganz bewusst ältere Versionen genutzt und ein Wechsel auf die neueste vermieden.

 

Grundsätzlich bietet die Cloud – wie vor ihr viele andere, innovative Technologien -  eine Reihe neuer Möglichkeiten und Chancen, die allerdings nur dann von den Kunden angenommen werden, wenn in den wichtigen Bereichen wie der Gewährleistung von Informationssicherheit, Datenschutz und Compliance von den Cloud-Anbietern nachgebessert wird.